Ratgeber · Vergleiche

Verkaufen oder verpachten?

Manche Projektierer wollen kaufen statt pachten. Was bringt der Verkauf — und warum bleibt die Verpachtung für die meisten Verpächter das deutlich bessere Modell.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verkaufspreise für Solar-geeignete Flächen: 50.000 bis 120.000 €/ha (typisch 70.000 €).
  • 30 Jahre Pacht mit VPI-Indexierung: ca. 140.000 bis 160.000 €/ha — plus die Fläche bleibt im Eigentum.
  • Bei Verpachtung bleibt das Grundstück im Familienbesitz, kann vererbt werden, geht nach 30 Jahren zurück.
  • Verkauf ist nur in Sondersituationen sinnvoll (Hofauflösung, akute Notwendigkeit).

Ein vergleichsweise seltener, aber relevanter Vorschlag mancher Projektentwickler: Statt zu pachten, möchten sie die Fläche kaufen. Auf den ersten Blick verlockend — eine 6-stellige Summe sofort, kein Vertrag, kein Aufwand. Aber: Wer rechnet, kommt fast immer zur Verpachtung als deutlich überlegene Lösung.

Typische Kaufpreise für Solar-geeignete Flächen

Solar-geeignete Flächen erzielen 2026 deutlich höhere Verkaufspreise als reine Ackerflächen. Aber die Aufschläge sind oft geringer, als man vermuten würde. Typische Preisspannen:

StandortReine AckerflächeSolar-geeignete FlächeAufschlag
Bayern (gute Lage)50.000 – 80.000 €/ha80.000 – 130.000 €/ha+50 – 60 %
Brandenburg (Lausitz)15.000 – 25.000 €/ha50.000 – 90.000 €/ha+200 – 300 %
Niedersachsen (Heide)30.000 – 50.000 €/ha60.000 – 100.000 €/ha+100 %
MV (Großflächen)15.000 – 25.000 €/ha45.000 – 80.000 €/ha+200 %

Verkauf vs. 30 Jahre Pacht — die Rechnung

Beispielrechnung 10 ha Brandenburg Verkaufspreis (geschätzt 70.000 €/ha): 700.000 € einmalig
30 Jahre Pacht (3.500 €/ha, mit VPI 2 %): ca. 1.420.000 € kumuliert
Fläche nach 30 Jahren: immer noch im Eigentum (Wert vermutlich +50 – 100 %)
Gesamtbilanz Pacht inkl. Restwert: ca. 2,5 – 3 Mio. €
Differenz zu Verkauf: +1,8 – 2,3 Mio. €

Selbst bei optimistisch gerechnetem Verkaufspreis von 70.000 €/ha kommt die Pacht inklusive Werterhalt des Grundstücks auf das 3 bis 4-fache des Verkaufserlöses — über die 30 Jahre kumuliert.

Was Sie beim Verkauf verlieren

  • Eigentum: die Fläche ist weg, dauerhaft
  • Vererbung: entfällt — Wert geht in Cash, der versteuert und verwaltet werden muss
  • Inflationsschutz: Verkaufserlös verliert über 30 Jahre real 30 bis 50 % Kaufkraft (bei 2-3 % Inflation)
  • Optionalität: Nach 30 Jahren steht die Fläche nicht mehr für eine neue Nutzung (z. B. zweite Solar-Generation, Landwirtschaft, Verkauf) zur Verfügung
  • Familiäre Bindung: bei Hof-Flächen oft auch ein emotionaler Wert, der monetär nicht abbildbar ist

Was Sie beim Verpachten behalten

  • Eigentum: Fläche bleibt im Familienbesitz
  • Vererbung: Erbschaftsteuer-Strategien möglich (1%-Beteiligungsmodell)
  • Inflationsschutz: Jährliche VPI-Indexierung der Pacht
  • Langfristige Flexibilität: Nach 30 Jahren kann neu entschieden werden — neue Pacht, zweite Solar-Generation, Landwirtschaft, Verkauf
  • Werterhalt des Grundstücks: Bodenwert steigt typisch im Inflationstempo, oft schneller

Steuerliche Folgen

Beim Verkauf

Privatvermögen: Gewinn ist nach 10 Jahren Haltedauer steuerfrei (§ 23 EStG, Spekulationsfrist). Vorher: Spitzensteuersatz. Bei landwirtschaftlichem Betriebsvermögen oder bei Veräußerung im Rahmen eines Gewerbes greifen andere Regeln — hier ist Steuerberater zwingend.

Bei der Verpachtung

Pacht-Einnahmen sind als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG) zu versteuern — über 30 Jahre verteilt. Effektive Steuerlast meist 25 bis 35 %, deutlich unter Spitzensteuersatz. Bei Hofbetrieb gegebenenfalls als Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft.

Sonderfall: Verkauf als Teil einer Hofauflösung

Eine Konstellation, in der der Verkauf sinnvoll sein kann: Wenn die Hof- oder Familienauflösung ohnehin ansteht (z. B. keine Erben, Verkauf des gesamten Betriebs an Außenstehende, akute Liquiditätsbedürfnisse). Dann kann der Solar-Aufschlag den Verkaufspreis erheblich erhöhen und einen klaren Schlussstrich ermöglichen.

In allen anderen Fällen — und das ist die deutliche Mehrheit — ist die Verpachtung die deutlich überlegene Option.

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Häufige Fragen

Warum wollen manche Projektierer kaufen statt pachten?

Kauf eliminiert das Risiko der Pacht-Beendigung oder -Streitigkeiten und vereinfacht die Bilanzierung des Projektierers. Betriebswirtschaftlich oft attraktiv — aber für den Verpächter meist deutlich nachteilig im Vergleich zur Pacht.

Wie hoch sollte ein Verkaufspreis sein, damit er lohnt?

Mindestens das 1,5- bis 2-fache des Barwerts der 30-Jahres-Pacht — also etwa 200.000 €/ha. Bei realistischen Marktpreisen von 50.000 bis 90.000 €/ha ist die Pacht klar überlegen.

Was passiert nach 30 Jahren bei Verpachtung?

Sie haben die Fläche zurück, der Solarpark wird vollständig zurückgebaut. Sie können neu entscheiden: erneute Verpachtung (2. Solar-Generation), landwirtschaftliche Nutzung oder Verkauf zu dann gültigen Marktpreisen.

Kann ich eine verpachtete Fläche verkaufen?

Ja — der Pachtvertrag geht auf den neuen Eigentümer über (§ 581 BGB analog § 566 BGB „Kauf bricht nicht Miete"). Die laufenden Pachten gehen dann an den neuen Eigentümer. Verkaufspreis ist meist deutlich höher als bei einer unverpachteten Fläche.

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