Das Wichtigste in Kürze
- In 15 Minuten und mit kostenlosen Online-Karten können Sie selbst prüfen, ob Ihr Flurstück im 200-m-Korridor liegt.
- Privilegiert sind Bundesautobahnen und mehrgleisige Hauptbahnen.
- Liegt Ihre Fläche ganz oder teilweise im Korridor, ist sie aus Solar-Sicht 30 bis 60 % wertvoller.
- Diese Checkliste ersetzt keine rechtssichere Vermessung, ist aber eine sehr verlässliche Ersteinschätzung.
Schritt 1: Welche Verkehrsfläche ist relevant?
Nur zwei Verkehrsflächen-Typen lösen die Privilegierung nach § 35 Abs. 1 Nr. 8 lit. b BauGB aus:
- Bundesautobahnen (A) — alle, ohne Einschränkung
- Eisenbahnstrecken mit zwei oder mehr Hauptgleisen — entscheidend ist die durchgehende Zweigleisigkeit
Nicht privilegiert sind: Bundesstraßen (B), Landesstraßen (L), Kreisstraßen (K), eingleisige Nebenbahnen, Straßenbahnen, U-Bahn-Strecken, stillgelegte Eisenbahnstrecken.
Schritt 2: Wo genau liegt Ihre Fläche?
Halten Sie folgende Daten bereit:
- Flurstücksnummer (steht in Ihrem Grundbuchauszug oder Liegenschaftskataster)
- Gemarkung
- Gemeinde / Stadt
Wenn Sie die Flurstücksnummer nicht zur Hand haben, reicht für die Erstprüfung auch die Adresse oder eine ungefähre Lage auf einer Karte.
Schritt 3: Karten-Vermessung mit dem Geoportal
Öffnen Sie eines dieser kostenlosen Online-Portale:
| Portal | Reichweite | Eignung |
|---|---|---|
| geoportal.de | Bundesweit | Sehr gut |
| Geoportal des Bundeslandes (z.B. geo.brandenburg.de) | Eigenes BL | Detaillierter |
| OpenStreetMap (osm.org) | Bundesweit | Einfach, weniger präzise |
| BORIS-Portal | Bundesweit (Bodenrichtwerte) | Ergänzend |
Zoomen Sie auf Ihr Flurstück und nutzen Sie das Vermessungs-Werkzeug („Strecke messen"). Bei den meisten Portalen ist es als Lineal-Symbol oben rechts.
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Schritt 4: Messen Sie zur Autobahn / Bahn
Setzen Sie den Messpunkt:
- Bei Autobahn: an der äußeren Kante der befestigten Fahrbahn (nicht Standstreifen, nicht Bankett)
- Bei Bahn: an der äußersten Schiene des äußersten Hauptgleises
Ziehen Sie eine senkrechte Linie zu Ihrem Flurstück. Beträgt die Distanz 200 m oder weniger, liegt der entsprechende Teil Ihres Flurstücks im Korridor.
Schritt 5: Prüfen Sie ausschlussrelevante Belange
Auch im Korridor gibt es Standorte, die schwierig sind. Prüfen Sie kurz:
- Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet, Vogelschutzgebiet — Solar ist hier meist ausgeschlossen oder stark eingeschränkt
- Landschaftsschutzgebiet — möglich, aber prüfungsintensiv
- Wasserschutzgebiet Zone I oder II — Solar oft schwierig
- Denkmalschutz-Umgebung — Einzelfallprüfung
- Bauerwartungsland / B-Plan-Gebiet anderer Nutzung — Solar oft nicht zulässig
Diese Daten finden Sie ebenfalls im Geoportal Ihres Bundeslandes als zusätzliche Karten-Layer.
Schritt 6: Prüfen Sie die Netzanschluss-Lage
Ein Solarpark braucht einen Netzanschlusspunkt. Je näher dieser an Ihrer Fläche liegt, desto wirtschaftlicher das Projekt — und desto höher Ihre realisierbare Pacht.
- Unter 1 km zum Mittelspannungsnetz: hervorragend
- 1 bis 3 km: gut
- 3 bis 5 km: noch wirtschaftlich
- Über 5 km: oft Hindernis, außer es kommen mehrere Eigentümer zusammen
Eine grobe Erstprüfung machen Sie über die Karten der lokalen Netzbetreiber (z.B. e.dis-netz.de, edis-Netz, Mitnetz Strom, Netze BW), die ihre Trafostationen meist öffentlich anzeigen.
Schritt 7: Ihre Ersteinschätzung — was nun?
Wenn Sie nach Schritt 6 noch hier sind: Glückwunsch, Ihre Fläche ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein attraktiver Solarpark-Standort. Der nächste sinnvolle Schritt ist eine professionelle Erstprüfung.
Häufige Fragen zur Selbst-Prüfung
Ist die senkrechte Distanz zur Fahrbahn-Mitte oder zum Fahrbahn-Rand maßgeblich?
Zum äußeren Rand der befestigten Fahrbahn — nicht zur Mitte und nicht zum Standstreifen oder Bankett. Bei Bahnstrecken: zur äußersten Gleismittelachse, also der Schwelle des äußersten Hauptgleises.
Mein Flurstück ist langgezogen — was ist, wenn nur ein Ende im Korridor liegt?
Dann gilt die Privilegierung nur für den im Korridor gelegenen Teil. Der Projektierer wird die Anlage so anlegen, dass die Module möglichst vollständig im privilegierten Bereich stehen.
Sind 200 m großzügig zu interpretieren oder strikt?
Strikt. 201 m sind nicht mehr privilegiert. Bei knappen Fällen empfiehlt sich eine amtliche Vermessung — der Projektierer übernimmt das im Rahmen der Planung.
Kann ich auch über mehrere Eigentümer ein Korridor-Projekt machen?
Ja, das ist sogar oft sinnvoll. Mehrere benachbarte Eigentümer können gemeinsam ein größeres Projekt entwickeln, was die wirtschaftliche Attraktivität für den Projektierer und damit auch die Pacht pro Eigentümer erhöht.
Was, wenn meine Fläche nicht im Korridor liegt?
Dann läuft die Genehmigung über den klassischen Bebauungsplan-Weg. Das dauert länger und ist politisch heikler, schließt aber ein Projekt nicht aus. Pachten liegen typisch 500 bis 1.500 €/ha unter denen im Korridor.